Die Geschichte der Deutschen Liga für Menschenrechte,

Text von 2005

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Die Gründung und die ersten Jahre

Am 16. November 1914, als der erste Weltkrieg gerade begonnen hatte, gründete Herr Otto Lehmann-Russbüldt mit weiteren engagierten deutsche Bürgern den "Bund Neues Vaterland". Sie wollten der Kriegsbegeisterung des Kaisers und des deutschen Volkes eine vernünftige Friedenspolitik entgegenstellen. Die Ziele waren damals:

 

1. Sofortiger Ausstieg aus dem Ersten Weltkrieg

2. Versöhnung mit allen Nachbarn, vor allem mit Frankreich

3. Verzicht auf Gebietsforderungen.

 

Einige Mitglieder des Bundes kannten sich aus der Deutschen Friedensgesellschaft (DFG), die bereits 1892 von der späteren Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner gegründet worden war. Für eine Verschmelzung der beiden Vereine reichten die Übereinstimmungen zwar nicht aus, aber die engen Beziehungen blieben bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg erhalten. Die DFG besteht jetzt in zwei Vereinen weiter: DFG-VK und DFG-IDK.

 

In den folgenden Jahren kam es zum Kontakt und zur Freundschaft mit der 1898 gegründeten Französischen Liga für Menschenrechte. 1922 nannte sich der Bund Neues Vaterland um in "Deutsche Liga für Menschenrechte" und gründete zusammen mit den Franzosen und Gleichgesinnten einiger weiterer europäischer Länder die "Fédération Internationale des Ligues des Droits de l´Homme" (FIDH) mit Sitz in Paris.

 

Zu den führenden Mitgliedern der Deutschen Liga gehörten zwischen den beiden Weltkriegen unter anderem die späteren Nobelpreisträger Carl von Ossietzky, Albert Einstein und Kurt Tucholsky. Neben ihrem Engagement für die Rechte des einzelnen Bürgers traten Ossietzky und Einstein auch ein für Gerechtigkeit in den zwischenstaatlichen Beziehungen. Dafür forderten sie eine internationale Gesetzgebung und internationale Gerichte, die von allen Staaten zu respektieren wären. Diese Gedanken wurden allmählich von immer mehr Menschen aufgegriffen. Das führte schließlich 1948 zur Gründung der Weltorganisationen der “Weltföderalisten“ und der „Weltbürger“.

 

Die Nazi-Zeit

Die Liga leistete energischen Widerstand gegen die aufkommenden Nationalsozialisten. 1933 wurde die Liga von der nationalsozialistischen Verwaltung zur Auflösung gezwungen. Das vereinseigene Archiv wurde vernichtet. Die führenden Persönlichkeiten flüchteten teils ins Ausland, z.B. Einstein und Kurt Tucholsky, teils wurden sie ins KZ gesperrt, z.B. Ossietzky. Eine internationale Kampagne führte dazu, daß Ossietzky 1936 der Friedensnobelpreis verliehen wurde. Ossietzky verstarb 1938 im Polizeikrankenhaus an den Folgen der erlittenen Mißhandlungen.

 

Die Arbeit des internationalen Verbandes FIDH musste während der Besetzung Frankreichs durch das deutsche „Dritte Reich“ ruhen, konnte aber nach dem Kriegsende fortgesetzt werden. 1948 haben zwei hervorragende Mitglieder der FIDH an der Formulierung der "Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte" der Vereinten Nationen mitgewirkt. Mehr Informationen über die FIDH finden Sie, wenn Sie in der rechten Spalte FIDH anklicken.

 

Nach dem 2. Weltkrieg

1949 durfte die Deutsche Liga für Menschenrechte e.V. ihre Arbeit wieder aufnehmen. Der Sitz war zunächst in Berlin. In den fünfziger Jahren wurden verschiedene Landesverbände gegründet, so 1955 in Bayern und 1957 in Hamburg. Ab 1960 hatte der Landesverband Bayern maßgeblichen Einfluß. 1961 hat die Liga ihren Sitz von Berlin nach München verlegt.  Den Text "Menschenrechte, Warum?" unseres früheren Präsidenten Frank Arnau aus den 60er Jahren finden Sie rechts unter „DLfM-warum?“ oder „Arnau“. Die Ziele der DLfM gemäß der letzten Satzung finden Sie unter DLfM-Satzung.

 

amnesty international wird gegründet

Mit einem ganzseitiger Artikel mit dem Titel “The Forgotten Prisoners“ (die vergessenen Häftlinge), der am 28. Mai 1961 im „Observer“ erschien,  rief der Londoner Rechtsanwalt Peter Benenson den jetzt bekanntesten Menschenrechtsverein „amnesty international“ ins Leben. Die deutsche Sektion nahm ihre Arbeit bereits zwei Monate nach Gründung der internationalen Organisation auf. Zu ihren GründerInnen zählen die Autorin Carola Stern und der Journalist Gerd Ruge.

 

Schon bald danach hat amnesty die Liga überholt, was die Resonanz in der Presse, den Bekanntheitsgrad und die Mitgliederzahl betrifft. Amnesty konkurrierte zwar mit der Liga um die öffentliche Aufmerksamkeit, aber das hatte keine Feindschaft zur Folge, im Gegenteil. Die Gesinnung der Mitglieder beider Vereine stimmt zwar weitgehend überein, aber die Arbeitsschwerpunkte sind deutlich verschieden. Zumindest in Hamburg hat es Menschen gegeben, die in beiden Vereinen gleichzeitig mitgewirkt haben, was seitens der Liga begrüßt wurde.

 

Die Mitgliederversammlung von 2005

 

Die Mitgliederversammlung von 2009

 

 

Befürworter und Gegner der Menschenrechte

Die Deutsche Liga für Menschenrechte hat sich immer für ihre Ideale wie Gerechtigkeit, Toleranz, Versöhnung, Frieden, Solidarität und Demokratie eingesetzt. Sie wurde zu einem Sammelbecken für die aufrechten Mitbürger, die unsere Ziele als ihre eigenen Ziele erkannt haben. Und es hat immer Menschen gegeben, die die Deutsche Liga für Menschenrechte deshalb als lästig empfanden. Siehe auch unsere Seite „Vorwürfe“.

Einige von denen , die das Engagement der Liga gefürchtet haben, gingen sogar so weit, dass sie sich bemüht haben, in das leitende Gremium der Liga aufgenommen zu werden, um von dort aus die Arbeit der Liga zu sabotieren. Andere haben Falschmeldungen über die Liga verbreitet, offenbar in der Hoffnung, dadurch die Liga zu behindern und dem Ansehen der Liga in der Öffentlichkeit zu schaden.